Nassrasierer

Nassrasur

Die Nassrasur geht auf die älteste Form der Rasur zurück, auch wenn vor 25.000 Jahren vielleicht die Barthaare nicht vorher angefeuchtet wurden. Heute unterscheidet sich die Nassrasur von der Trockenrasur in der Form, dass die Barthaare bzw. Bartstoppeln angefeuchtet und dann mittels eines scharfen Instrumentes (Messer, Klinge oder auch elektrischer Nassrasierer) abgehobelt oder abgeschnitten werden. Für das Anfeuchten kann man Wasser verwenden, allerdings hat sich der Gebrauch von Rasierschaum oder Rasierseife durchgesetzt.

Rasiermesser

RasiermesserDie wohl älteste und noch immer verbreitete Form der Rasur verwendet ein so genanntes Rasiermesser. Ein extrem scharfes Edelstahlmesser an einem Griff (Heft) befestigt. In der Regel lassen sich Griff und Klinge so zusammenklappen, dass die Klinge im Heft geschützt liegt.
Das Angebot an neuen Rasiermessern ist mittlerweile sehr übersichtlich. Als Hersteller wären zum Beispiel Thiers-Issard, Comair, Efalock, Old Sheffield, Dovo Solingen, The Different Scent und Wacker zu nennen, wobei die Qualitätsunterschiede zum Teil eklatant sind.
Der französische Hersteller Thiers-Issard wirbt mit historischen Rasiermessern. Rund 100 Jahre alte Rohlinge wurden neu geschliffen und wieder in den Handel gebracht. Auch von anderen Herstellern oder aus anderen Ländern werden immer wieder historische Messer angeboten. Die Auswahl an besonderen Schmuckstücken ist sehr vielfältig. Die Preisunterschiede können entsprechend gewaltig sein. Ein einfaches Efalock-Klingenmesser ist bereits für unter 20 Euro zu haben, eine Damaszenerklinge bei Thiers-Issard kann auch mal 1.000 Euro kosten. Für die Pflege eines Rasiermessers dienen Streichriemen und Öl, es sei denn, es handelt sich um Rasiermesser mit Ersatzklingen.

Rasierhobel

RasierhobelEin großes Problem bei der Verwendung von Rasiermessern war (und ist noch) die Verletzungsgefahr. Sicherheit brachte vor allem die Entwicklung des Rasierhobels um 1875 in England. Die Form hat sich bis heute weitgehend gehalten: Ein T-förmiger Griff nimmt eine Rasiermesserklinge auf, die eingespannt wird. Diese Form erlaubt eine günstige Positionierung der Klinge zur Haut und findet sich heute sowohl bei den preiswerten Einmal-Rasierern als auch bei den Systemrasierern. Bereits 1902 konnten von dem Star-Sicherheits-Rasiermesser rund zwei Millionen Stück verkauft werden. Rasierhobel und Systemrasierer sind in der Regel jene Objekte, die auch gern mit dem Begriff Rasierapparat bezeichnet werden. Davon zu unterscheiden wären elektrische Rasierer oder elektrische Rasierapparate. Zu finden sind die handbetriebenen Geräte in der Regel unter der Rubrik Rasurartikel.
King Camp Gilette entwickelte 1895 eine besondere Form, bei der eine Rasierklinge so eingespannt ist, dass die aus billigem Walzstahl hergestellte Klinge beidseitig verwendet werden kann. Der Erfolg symbolisiert den oft beschworenen kometenhaften Aufstieg. 1904 produzierte Gilette 120.000 Klingen im Jahr, zehn Jahre später waren es schon weit über 50 Millionen.
Die Einmalrasierer setzten sich im medizinischen und militärischen Bereich durch. Soldaten waren angehalten, auch im Felde ihre Bärte kurzzuhalten, damit Gasmasken wirksam dicht an der Haut abschlossen.

Systemrasierer

SystemrasiererDer Markt der Systemrasierer ist ähnlich heiß umkämpft wie der Markt der elektrischen Trockenrasierer. Von Systemrasierer spricht man, wenn der Scherkopf gleich mehrere Klingen beherbergt. Diesbezüglich liefern sich Gillette und Wilkinson seit Jahren ein im wahrsten Sinne des Wortes Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Gillette Fusion kam 2006 auf fünf Klingen. Jede Klinge ist beim Systemrasierer einzeln gelagert, so dass sie entsprechend der Bartkontur nachfedern kann. Hier werden schon die entscheidenden Punkte im Lastenheft der Entwickler deutlich. Der Rasierer soll zugleich schonend und effektiv sein, die Handhabung bequem und angenehm.

Zubehör für die Nassrasur

Da die Nassrasur grundsätzlich für die Haut anstrengender ist als die Trockenrasur, sollte auf pflegende Hilfsmittel nicht verzichtet werden. Rasierseife und Rasiercreme gehören ebenso hierher wie ein After Shave zur Beruhigung der gereizten Haut. Ein Rasierpinsel erleichtert das Auftragen der Rasierseife. Alternativ zur Rasierseife bzw. zur -creme kann auch Rasierschaum aus der Sprühdose verwendet werden, der allerdings nicht die Wirksamkeit beim Aufweichen der Bartstoppel erreicht. Bei Verletzungen durch die Rasur können entweder entsprechende Pflästerchen oder ein Alaunstift als Blutstiller helfen. Für die perfekte Rasur ist ein spezieller Rasierspiegel sinnvoll, den Reinigungs- und Pflegevorgang Rasur wickelt man am besten über einer Rasierschüssel ab. Alternativ kann die Nassrasur auch stehend vor dem Waschbecken absolviert werden. Doch die Nassrasur stellt gerade eine besondere Form der konzentrierten Körperpflege dar und sollte mit Ruhe ausgeführt werden.

Elektrische Nassrasierer

Die Elektronik macht es möglich, dass heute immer mehr Rasierapparate auch mit elektrischen Funktionen aufwarten. Andererseits gibt es zunehmend mehr Elektrorasierer, die vom Prinzip her eigentlich Trockenrasierer sind, die aber beispielsweise unter der Dusche gefahrlos verwendet werden können und auch angefeuchtete Barthaare schneiden.

Zusammenfassung Nassrasierer

Mit der Klinge, welcher Art auch immer, den Haaren an die Wurzeln (oder etwas oberhalb) zu gehen, ist ein nach wie vor recht gefährlicher Vorgang. Trotz Rasierseife oder Rasierschaum können massive Rötungen die Folge sein. Ebenso besteht eine Gefahr der Verletzung (blutige Einschnitte). Andererseits pflegen viele Menschen, vor allem Männer ihre Kinnpartie, alltäglich mit dem Rasiermesser oder dem Rasierapparat (Hobel, Systemklinge) und sind nicht nur mit dem Ergebnis zufrieden, sondern schätzen diese Art der Körperpflege. Durch das vorherige Anfeuchten und die Nachbehandlung wird das Gefühl, einen Reinigungsvorgang der Haut vorgenommen zu haben, verstärkt.
Dass die Mode heute zunehmend auch andere Hautpartien in Angriff nimmt, ist ein zumindest diskutables Phänomen. Die Langhaarigen der Flower-Power-Zeit sind noch nicht ganz ausgestorben, jedoch heute in der Minderheit, und kurze Haare bzw. Haarentfernung gilt heute als Zeichen gepflegter Männ- und Weiblichkeit. Dass hier das Schönheitsideal nicht unbedingt medizinisch von Vorteil ist, muss nicht ausführlich diskutiert werden. Die Haut unter einem Vollbart ist oft gesünder. Allerdings benötigen auch Bärte Pflege und – wie erfahrene Bartträger sagen – sogar mehr als rasierte Kinnpartien. Der medizinische Aspekt zielt in Richtung Gesundheit. Dass also die Körperpflege im Sinne aktueller Schönheitsideale auch gleichzeitig einen gesunden Menschen produziert, ist in Frage zu stellen. Auch andere Eingriffe am menschlichen Körper (massive Sonnenbankbräunung, Schönheits-OPs usw.) sind vielleicht Sinnbild eines körperlichen Selbstbewusstseins, können gleichzeitig aber auch Ursache für diverse Erkrankungen sein.




Rasierer > Nassrasur